Wie schaffen Sie es?

So recht gefallen will mir das neue Jahr nicht. Zu viele Erschütterungen bringt jede neue Woche mit sich. Der Tod von Roger Willemsen ist so eine Erschütterung. Er schrieb 2014 in der Süddeutschen „Es gibt unter Menschen die Lebenden und die Erloschenen. Die letzteren tun das Erwartbare, sagen das Erwartbare, überfordern keinen und fühlen sich wohl in Stereotypen. Die Lebenden dagegen sind unvorhersehbar, abrupt, anstrengend.“
Über den letzten Satz hatte ich schon vor zwei Jahren lange nachgedacht. So reflektiert, so klug. Wieder einer weniger. Und je älter ich werde, desto mehr erschrecke ich vor den Zahlen in den Klammern bei den öffentlichen Nachrufen.
Nicht nur die Lebenden, das Leben ist unvorhersehbar, abrupt, anstrengend. Wobei es mich immer wieder verzaubert, dass Menschen dennoch die Anstrengung suchen, das Unerwartete, auch oder gerade während einer persönlichen Auszeit. Was mich fragen lässt: gibt uns der schnöde Alltag nur Platz für das Erloschene?
Ich selbst werde oft angetrieben von einer großen Neugier. Ich fühle mich lebendig, wenn sich Dinge bewegen. Und auf der anderen Seite bin ich manchmal sehr erschöpft von der Vielfalt der Themen. Und oft bin ich erschöpft von der Welt, in der so viele unkluge Dinge geschehen und zugelassen werden. Und ich frage mich :“Was kann ich tun, wo kann ich ansetzen?“ Macht es einen Unterschied, ob ich einmal im Monat ein RepairCafe organisiere? Ob ich Menschen begleite auf dem Weg der Auszeit? Was mir bisweilen beim Durchhalten hilft, ist die Geschichte von den Seesternen. Bisweilen….

Manchmal bin ich allerdings nur verzweifelt: Kriege überall, Millionen auf der Flucht, die Weltmeere voller Plastik, Kinder arbeiten in der Dritten Welt unter miesesten Bedingungen, ganze Tierrassen sterben aus, hilflose Eisbären tapsen von Scholle zu Scholle (oder was davon übrig ist), Zika- Virus…. und und und. Immer wieder bebt die Erde, als wollte sie den Menschen abschütteln. Und wir reparieren im RepairCafe Bügeleisen….

Ich hatte im letzten Sommer mein privates Buchprojekt begonnen. Die Frage „Was lässt Euch machen, was treibt Euch an?“ stelle ich unterschiedlichen Menschen. Fremden. Bei den mir bekannten Menschen befürchte ich, die Antwort manchmal vorweg zu nehmen.
Die Antworten sind unterschiedlich. Und ich komme momentan nicht weiter.

Deshalb meine Frage an Sie heute: „Was bringt Sie ins Tun? Was motiviert Sie? Wie überwinden Sie Phasen, in welchen sich eine kleine Trostlosigkeit einschleicht?“

Ich danke Ihnen herzlich, dass Sie heute mich motivieren.

Wenn Sie das Leben kennen, geben Sie mir doch bitte seine Anschrift.
Jules Renard

Dezember, die Zweite

Im Juli und August war dann Zeit für den Sommer. Ich habe um einiges kürzer getreten und faule Nachmittage an einem der zahlreichen Seen rund um Frankfurt verbracht. Neu kam dazu, dass ich die Papierwerkstatt vom DRK in Höchst entdeckt habe. Ich war bei zwei Workshops dabei, in welchen Menschen mit Beeinträchtigungen gemeinsam Papier geschöpft haben. Ich habe die ersten zwei Interviews für mein Buchprojekt geführt.Und ich habe mir in den Kopf gesetzt, dass auch in Frankfurt- Höchst eine Givebox stehen soll und erste Gespräche geführt.

Sommer- Fazit: ich mag Dinge wie das Papierschöpfen, wo man schnell Ergebnisse sieht und keine Anfangsbarrieren hat. Hab ich schon einmal erwähnt, dass ich eher ungeduldig bin?

Der September nahm dann auch schnell wieder Fahrt auf. Mein Rundgang im Rahmen der Woche der Stille wollte Probe-gelaufen werden, beim Wandeltag hatten wir einen RepairCafe- Tisch mit Informationen (ebenso beim Stadtteilfest im Gallus) und schließlich war Ende September ganz privat unser jährliches Familientreffen, diesmal in Kulmbach. Ein schönes und lustiges Erlebnis kam im Zuge der Givebox- Recherche. Ich war natürlich daran interessiert, das ganze für mich möglichst kostenneutral zu halten. Im Büro der Oberbürgermeisters hat sich dann ein sehr netter Herr daran erinnert, dass bei ihnen im Keller noch ein mobiles Büro aus Holz eingelagert ist, für welches es seines Wissens nach keine Verwendung gäbe. Ich sollte die Verantwortlichen mal fragen. Und so bekam das Givebox-Team Höchst (ich) ein mobiles Büro geschenkt, welches jetzt noch auf die Weiterverarbeitung wartet.

September- Fazit: Mehr Fragen stellen. Und noch mehr und noch mehr. Daraus hat sich bisher immer etwas Neues ergeben!

Im Oktober war ich v.a. mit alltäglichen Dingen beschäftigt, was gut tat und erholsam war. Ich durfte wieder einmal bei einem Kundengespräch erfahren, dass der Wunsch, etwas großes und internationales während einer Auszeit zu machen, oft von außen beeinflusst wird. Der echte eigentliche Wunsch ist bisweilen kleiner. Aber man traut sich nicht so recht, das Kleine publik zu machen in der Angst, es könnte nicht genügen. Das macht mich oft nachdenklich. Wem wollen wir eigentlich genügen? Und wofür? Warum ist es so schwer, einfach nur sein eigenes „Ding“ zu machen?

Traditionell geht es seit über 10 Jahren Ende Oktober bis Mitte November mit meiner Familie (Papa, Mama, Bruder, Schwägerin, Mann, Freunde) für zwei Wochen nach Gozo. Und bringt mich zum Oktober-/ November- Fazit: Neben der unendlichen Lust auf neue Anfänge brauche ich auch die Konstante, das verlässliche, immer wiederkehrende Element im Leben. Und bin dankbar für jedes Jahr, in dem wir alle zusammen sein können.

Der Dezember ist ja noch gar nicht fertig, und dennoch wage ich mich an ein Jahresfazit heran. Nur für mich. Allgemeingültigkeiten sind nicht so sehr meine Sache.

Mein Wachstumstrieb ist Neugier, meine Wurzeln liegen in meinem Umfeld. Beides brauche ich, um mich lebendig zu fühlen und eine Zufriedenheit zu spüren. Ich kann nicht alles haben, deshalb werde ich zukünftig ein wenig mehr darauf achten, dass beide Seiten gleichberechtigt vertreten sind.
Und ich werde mich darin üben, meine Ungeduld zu zügeln. Wer gute Ideen diesbezüglich hat, immer her damit.

 

 

 

Dezember – ein kurzer Rückblick

Was für ein Jahr! Ich sage ja gerne, dass ich mein eigenes Sozialexperiment bin, weil ich viele Dinge ausprobiere und auf der Suche nach einem guten Lebens- Rhythmus bin. Für mich. In aller Kürze versuche ich mein Jahr für Euch zusammen zu fassen. Ich bin keine Ausnahme, sondern übe mich genau so wie viele Andere im Balancen finden.
Der Januar begann mit einem neuen Angebot im Kinder- und Familienzentrum Morgenstern: das Nähcafé wurde ins Lebens gerufen durch meine Initiative. Das macht mich stolz, stellte aber schnell neue Herausforderungen. Durch eine Erkrankung länger aus der Bahn geworfen kam die Leitung des Nähtreffs abhanden und ich musste plötzlich meine Woche darauf ausrichten, montags drei Stunden zu reservieren für das Nähcafé, wenn ich wollte, dass es weiter geht. Nun ja, das wollte ich. Und so kam es, dass ich, die laut der Aussage meiner engsten Freunde zwei linke Hände hat, mich mit Nähmaschinen und Stoffen auseinander zu setzen begann. Daneben war ich weiter am Ball, um die Idee der RepairCafes in Frankfurt bekannter zu machen, bestehende Initiativen zu unterstützen und zu vernetzen und Neues auf die Beine zu stellen. Alles im Rahmen meiner Projektpatenschaft bei den „Schönen Aussichten“. Ich hatte Presseanfragen für die Auszeitagentur und natürlich Kundenanfragen zur Auszeitbegleitung. Mein Mann verlässt sich auf mich, wenn es um Buchhaltung und Termine für die Handwerksfirma geht. Ein Wochenende in Hamburg bei einer lieben ehemaligen Kollegin stand auch auf dem Plan. Und beim Deutschen Roten Kreuz habe ich mich für die fünf modularen Ausbildungen für den Suchdienst angemeldet. Januar-Fazit: da es erstens anders kommt und zweitens als man denkt, sollte ich mir nicht ALLES verplanen, um spontan reagieren zu können, wenn etwas unvorhergesehenes eintritt.

Die Planungen für die Woche der Stille begannen im Februar und ich wollte gerne, dass wir uns in diesem Rahmen auch mit dem Thema „Tod“ befassen. Weil ich finde, dass es dazu gehört. Ich nahm Kontakt mit tollen rein weiblichen Bestatterinnen auf und wir waren uns schnell einig, etwas bei der „Woche der Stille“ anzubieten. Neben Nähcafé, Auszeitagentur, Handwerksfirma, DRK und RepairCafe wollte ich dann noch unbedingt dazu beitragen, dass der Film „Augenhöhe“ in Frankfurt aufgeführt wird. Der Film ist innerhalb des Netzwerks um „intrinsify.me“ entstanden und ich finde das Thema „Auf Augenhöhe“ in der Arbeitswelt enorm wichtig. Im Februar war auch ein Netzwerktreffen von „intrinsify.me“ in Berlin. das habe ich genutzt und es mit dem Besuch zum Geburtstag bei meiner lieben Freundin Andrea verbunden. Wahrscheinlich hatte es auch den Wunsch, den Film „Augenhöhe“ mit anzustoßen, angetriggert. Februar- Fazit: 1. Man kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen. Die Ideen für „Augenhöhe“ wurden mit wenig Energie angegangen und es ist auch nichts weiter durch mich ins Rollen gekommen. 2. Es tut erstaunlicherweise gut, sich dem Thema „Tod“ zu nähern und „Verbündete“ zu haben. Ich hatte mich schon manchmal gefragt, was man in einer Notsituation eigentlich macht. Googelt man nach dem nächsten Bestatter? Jetzt fühle ich mich sicherer. Und es gibt Menschen, die mit Herzenswärme Bestatterinnen sind.

Im März liefen viele Dinge nach Plan. Dann haben wir recht spontan 10 Tage Urlaub auf den Kapverden eingeschoben. Mein Mann und drei Mädels (naja, Frauen über 40). Weil unsere gemeinsame Freundin Tine nicht aus Australien kommen konnte und wir uns doch auf ein Treffen gefreut hatten. Unverhofft kommt oft, im besten Sinne. So sind wir zusammen „weg“. Neben dem Alltag wie Nähcafé, Auszeitagentur, Handwerksfirma, DRK etc. (ich werde es nicht ständig wiederholen, keine Sorge :-)) konnte ich noch einen gebrauchten Kicker-Tisch für das Julie-Roger-Haus in Frankfurt organisieren. Der Verein Lebensherbst e.V. leistet Tolles für Senioren und unterstützt Wünsche, die die Alten- und Pflegeheime nicht aus eigener Kraft stemmen können. Für mich war das ein Kraftakt, den Transport von Mainz nach Frankfurt zu organisieren. Weil mein Mann für jede Schandtat zu haben ist, hatte ich großartige Unterstützung. Alleine hätte ich es nicht geschafft. Tatsächlich sieht ja niemand, was es braucht, um so einen gebrauchten Kicker-Tisch zu finden, bezahlen, transportieren. März- Fazit: Manchmal stelle ich mir die Dinge zu einfach vor. Was mich direkt wieder zum Januar- Fazit führt…

Im April begann die modulare DRK- Fortbildung an den Wochenenden. Und die „Schönen Aussichten“ stellten die erste „Weltreise durchs Wohnzimmer“ auf die Beine. Großartige Sache! Die erste Reise nach Pakistan und Polen war sehr lehrreich und machte Lust auf mehr. Neben dem Alltag (wie versprochen wiederhole ich es nicht schon wieder) habe ich dann noch gesehen, dass der Bereich „Aqua-Sport“ vom Turnverein Griesheim wieder aufgenommen worden war. Das kam genau zur richtigen Zeit! Ich fühlte schon, dass ich mich selbst ein wenig vernachlässigte, wusste aber nicht, was ein pragmatischer Veränderungsansatz sein könnte. Der wurde mir vor die Füße gelegt. Und seitdem bin ich, wann immer es geht, montags beim Schwimmen. Das schenke ich mir. Weil der Montagmittag somit durch Nähcafé und Aquasport belegt ist. April- Fazit: ich hatte doch wirklich ein schlechtes Gewissen wegen des Montags. Ich bin blöd. Auf mich selbst zu achten ist das Wichtigste überhaupt. Warum vergesse ich das immer wieder?

Der Mai begann mit einem Interview für heute.de (natürlich zum Thema „Auszeit“) und ich bekam darauf hin einige Anfragen für Kooperationen. Ich war resigniert, weil ich nicht wusste, wie ich diese vielen Wünschen (die ich- nebenbei bemerkt- alle toll fand) erfüllen konnte. Ich kenne so viele wunderbare kleine individuelle Angebote. Ich möchte diese zur Verfügung stellen und auch weiter vernetzen und verbreiten. Schließlich entstand daraus die Idee für den Mini-Katalog „Kurze Auszeit“. Die Arbeit daran hat mich und meine Zeit im Mai erfüllt. Mai- Fazit: Manchmal entstehen aus Frust ganz wunderbare Dinge.

Weiter mit den Plänen für ein neues RepairCafe in Frankfurt ging es im Juni. Wir hatten uns als kleine Truppe gefunden und beschlossen, im Juli im Gallus mit einem RepairCafe einmal im Monat an den Start zu gehen. Das erste Mal am 3.7.15. Ich war das erste Mal mit dem DRK für die Registrierung von Verletzten beim JP Morgan zuständig. Ich war das erste Mal auf einem Sommerfest im Julie- Roger-Haus. Gott war das großartig. Und ich habe beschlossen, mein privates Buchprojekt anzugehen. Juni-Fazit: 1. Demut. Was ich für tolle Menschen kennen lernen darf. Mit ihnen arbeiten darf. Ohne Zwänge. 2. Ekstase: Ich liebe „erste Male“. Das macht mich euphorisch und ich spüre das Leben.

Halbjahresfazit: 1. Bessere Balance finden zwischen dem Wollen, dass sich etwas verändert und dem eigenen Energiehaushalt. 2. Ich liebe mein Leben.

Nicht müssen und sollen, sondern wollen

Auszug aus einem Dossier für die Evangelische Zeitung

Nicht müssen und nicht sollen, sondern wollen, und zwar anhand der eigenen individuellen Bedürfnisse, das ist für mich der Sinn von Auszeiten, unabhängig von deren Länge. Um diesen gerecht zu werden, braucht der Mensch Zeit. Daher „Auszeit“ als gewünschtes und bewusstes Durchbrechen der täglichen, oftmals fremdbestimmten Alltagsroutinen. Auszeit als Einstieg in ein Leben, das sich für jeden Einzelnen und auf die eigene Art richtig anfühlt.
Bewusstes Durchbrechen der Routine heißt auch, sich erst einmal mit dieser auseinanderzusetzen. Bewusstsein oder auch „Achtsamkeit“ wiederzuerlernen, den Blick auf sich selbst liebevoll zu schärfen. „Wer bin ich eigentlich? Und was möchte ICH?“

Um überhaupt leben zu können, atmen wir Menschen, nehmen Nahrung und Flüssigkeit zu uns, schlafen. Für mich ein guter Einstieg ins Thema „bewusste Zeit“. Wissen Sie noch, wie sich die Haut eines Pfirsichs auf der Zunge anfühlt, der Kern einer Weintraube? Wie schmeckt kaltes Wasser? Kann ich fühlen, wie es durch meinen Körper fließt, so wie ich heißen Tee an einem kalten Wintertag gut im Körper fühlen kann? Wie atme ich? Achte ich darauf?
Was Mittagsschlaf ausmacht

Eine ganz kleine Übung, die mich persönlich immer wieder erdet, ist das bewusste Einatmen. Ich stelle mir klare, helle Luft vor, die ich einatme. die meinen ganzen Körper ausfüllt. Beim Ausatmen lasse ich die graue, verbrauchte Luft los, schaffe neuen Platz für reine, klare Luft. Eine Minute bewusstes Atmen hilft mir in stressigen Situationen, Ruhe zu finden.

Essen Sie mittags ein Brötchen zwischen Tastatur und Telefon? Vielleicht möchten Sie einmal pro Woche ganz bewusst zu Mittag essen, in Ruhe und mit allen Sinnen auf den Geruch, den Geschmack, die Farbe des Essens gerichtet. Ein kurzer Mittagsschlaf kann sehr aktivierend sein, wenn dieser zur vom Körper als passend empfundenen Zeit erfolgt, wenn der Mensch es als angenehm empfindet. Das ist durchaus individuell unterschiedlich. Nicht jeder schläft gerne in einem öffentlichen Raum.

Nicht müssen. Dem einen verschafft ein Wochenende im Kloster eine tiefe Ruhe, der andere joggt morgens um den Ententeich. Da es in unserer Welt so wahnsinnig viele Regeln und Erwartungen von außen gibt, plädiere ich vehement dafür, das Thema „Auszeit“ davon freizumachen. Einen Tag lang Gänseblümchen anschauen ist keine Zeitverschwendung, wenn dem Einzelnen danach zumute ist. Zeitverschwendung ist es meiner Ansicht nach, sich mit den Meinungen anderer dazu permanent auseinanderzusetzen. Die Kunst ist vielleicht, einen guten Mittelweg zu finden zwischen dem eigenen Wollen und dem Sollen der anderen. Und für sich selbst herauszufinden, was gut ist. Für mich. Probieren Sie es aus. Für sich.

Zum Schluss: Für mich ist der Unterschied zwischen „Urlaub“ und „Auszeit“ das bewusste Durchbrechen der Routine. Urlaub kann Auszeit sein. Bei der Taktung unserer Gesellschaft ist der „normale“ Urlaub oftmals mit Stress behaftet: Wir reisen zu weit entfernten Flughäfen, quetschen uns mit Hunderten von Menschen in enge Flugzeuge, kommen in einer anderen Klima- oder Zeitzone an, versuchen, das meiste herauszuholen aus der „schönsten Zeit des Jahres“. Urlaub in der eigenen Stadt kann sehr spannend und damit entspannend sein. Ich empfehle die Ideen des „Labors für experimentellen Tourismus“ – das ist auch weltweit anwendbar: http://www.latourex.org/latourex_all.html

Was ist das Leben?

Im Zuge des Auszeit-Themas kommt es immer wieder zur Sprache: Menschen sehnen sich danach, Zeit für ihre Bedürfnisse zu haben: Entspannung, Engagement, Neues entdecken, Zeit für sich, Zeit für die Lieben, Weiterentwicklung. Es scheint manchmal so, als bliebe all das im Alltag oft auf der Strecke.

Nichts neues, aber eine gute Zusammenfassung, um sich ab- und- an wieder zu reflektieren, bietet ein Buch von Bronnie Ware, die als Palliativpflegerin jahrelang Sterbende begleitet hat. „Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bedauern“, auch nachzulesen in einem Artikel in der Welt.

 

1. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben“

2. „Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet“

3. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken“

4. „Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten“

5. „Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein“

Bronnie Ware hat auch eine (englischsprachige) Internetseite.

Georg Kreisler: Wenn Alle Das Täten

leib’n Sie doch mal Ihrer Arbeit fern
Geh’n Sie stattdessen spazieren!
Wenigstens vormittags, das macht doch Spaß –
Schlafen Sie aus oder lesen Sie was!
Alles wird weitergeh’n ohne Sie
Sie würden gar nichts riskieren!
Sie werden sagen: „Wenn alle das täten
Dann wär das ein schrecklicher Schlag!“
Ja – wenn alle das täten, dann hätten halt alle
Einen herrlichen Vormittag!
Wenn alle das täten, dann hätten halt alle
Einen herrlichen Vormittag!

Oder machen Sie grade Ihr Studium
Und macht das Studium Sorgen?
Na, jung und gesund sind Sie, das ist doch fein
Lassen Sie einfach das Studium sein!
Werd’n Sie verhungern? Bestimmt nicht gleich –
Heute verhungert man morgen!
Sie werden sagen: „Wenn alle das täten
Wie soll unsre Welt dann florier’n?“
Ja – wenn alle das täten, wenn alle das täten
Dann würde halt niemand studier’n!
Aber sonst würde gar nichts, aber sonst würde gar nichts
Rein gar nichts den Leuten passier’n!

Deswegen geht die Welt doch nicht unter –
Sie geht eher unter, wenn’s so bleibt wie jetzt!
Mut macht erfinderisch, glücklich und munter –
Nur Angst macht uns hungrig, verwirrt und verhetzt!

Sein Sie doch nicht immer so angepasst
Tun Sie, was andere ärgert!
Andere rechnen, dass Sie sich bemüh’n
Ihnen die Kohl’n aus dem Feuer zu zieh’n –
Finden Sie Kohlen denn wichtiger
Als Ihr eigenes Leben?
Sie werden sagen: „Wenn alle das täten
Dann würden sich viele doch grämen!“
Ja – wenn alle das täten, dann müssten halt Alle
Mehr Rücksicht auf Andere nehmen!
Wenn alle das täten, dann müssten halt alle
Mehr Rücksicht auf Andere nehmen!

Wer sagt hier: „Es muss Ordnung sein!“?
Unordnung ist doch so heiter!
Nicht immer nützlich und schicklich sein
Einmal auch dumm, aber glücklich sein!
Fällt das elektrische Licht einmal aus
Singt man im Dunkeln halt weiter
Und wenn der neue Tag anbricht
Dann ist bestimmt wieder Licht!

Lassen Sie Ihre Karriere doch sein –
Wem soll die je etwas nützen?
Ja, Sie verdienen sich später einmal krumm
Aber bis Sie das Geld haben, ist die gute Zeit um!
Außerdem müssen Sie Tag für Tag
Schuften und schäumen und schwitzen!
Sie werden sagen: „Wenn alle das täten
Dann läge die Menschheit ja brach!“
Ja – wenn alle das täten, dann dächte man über
Das Brachliegen etwas mehr nach!
Wenn alle das täten, dann dächte man über
Das Brachliegen etwas mehr nach!

Steigen Sie aus, und die Sorgen verschwinden
Wer stets zur Hand ist, den kann keiner finden
Ehrbaren Leuten ist schwer zu verzeih’n
Und der Verlässliche werkelt allein!
Werd’n Sie den morgigen Tag noch erleben?
Lieber am heutigen Tage einen heben!
Fortschritt ist tödlich und Geld keine Frau
Planung ist falsch und der Himmel ist blau –
Was nützt ein Eigenheim, wenn man nicht froh ist?
Weiß denn ein Meerschweinchen, was Rokoko ist –
Weiß denn ein Truthahn, warum er bestellt ist
Und weiß denn ein Mensch, warum er auf der Welt ist?
Glauben Sie mir: Das beste gegen Nixon oder Breschnew oder Strauß
Sie steigen aus, sie steigen aus!

Leb’n Sie doch endlich im Sonnenschein –
Tot sind Sie erst als Gerippe!
Geh’n Sie nicht immer im gleichen Schritt
Machen Sie einfach den Tanz nicht mehr mit!
Sicher werd’n andere sauer sein –
Auch Sokrates hatte Xanthippe!
Sie werden sagen: „Wenn alle das täten
Dann würde ja nichts funktionier’n!“
Ja – wenn alle das täten, wenn alle das täten
Dann müssten wir improvisier’n!
Dann gäb’s keinen Krieg, keinen Autogestank
Keine schmutzigen Flüsse, keine Nationalbank
Kein Dies nicht, kein Das nicht – dann gäb’s eigentlich
Nur Menschen wie Sie und mich!

Kleine Auszeit… ich arbeite an einer kurzen Übersicht

Da ich vermehrt kontaktiert werde, um einen Tipp abzugeben, habe ich mich zu einer Zusammenstellung verschiedener Adressen und Möglichkeiten entschlossen. Damit können alle völlig selbstständig agieren, sollten sie etwas Passendes finden.

Diese Zusammenstellung dient der Inspiration (so hoffe ich) und wird ab Juli auf meiner Webseite als Download zur Verfügung stehen.

Da ich keine Provision o.ä. von den Anbietern möchte, um die Administration so einfach wie möglich zu halten, werde ich die Übersicht gegen eine geringe Gebühr anbieten, maximal 2€.

Hier gehen die Meinungen in meinem Umfeld weit auseinander: während die einen vermuten, ich hätte nicht genug Selbstbewusstsein, um mehr dafür zu berechnen (??), meinen andere, dass man dafür doch kein Geld nehmen könne.

Ich möchte dazu Stellung nehmen und meine Gedanken teilen.
Ich werde so um die 30 Stunden daran gearbeitet haben, wenn es fertig ist. Dabei geht das Adressen „sammeln“ natürlich schnell, viel aufwendiger ist die Kommunikation mit den Anbietern und v.a. der letzte Schliff.

Da ich in den letzten Jahren gemerkt habe, dass ich es für mich selbst als ungerecht empfinde, wenn viele „nur“ einen Tipp möchten – und den bitte gratis- möchte ich zumindest einen symbolischen Euro für meine Arbeit. Dann fällt noch Mehrwertsteuer an und PayPal möchte auch ca. 35 Cent für die Nutzung.

So werde ich nach Adam Riese also einen Betrag zwischen 1,55€ und 2€ berechnen.

Gibt es Meinungen dazu? Ich finde es spannend, so ein Angebot auch gemeinsam zu entwickeln.

Was macht Dich glücklich?

Seit einiger Zeit verfolge ich schon die Aktionen des „Ministeriums für Glück und Wohlbefinden„, weil es mich immer wieder daran erinnert, die Augen offen zu halten, selbst offen zu sein, zu experimentieren. Gina Schöler for president.

Ich sammle seit einiger Zeit verschiedene Ideen, sich des Glücks bewusst zu machen. So bin ich mit drei zauberhaften Damen auf der Suche nach dem Zufallsglück durch Frankfurt gelaufen und beim Äthiopier gelandet (lecker!), werde hier bei mir in Griesheim ein erste-Hilfe-Glücksset aufhängen (was drin ist, verrate ich nicht! Du kannst gerne selbst nachschauen. Auch eine Idee vom Ministerium für Glück und Wohlbefinden) und werde kleine Taschen für Bohnenimpulse nähen und verschenken. Das Thema Achtsamkeit ist ganz nahe am Glücksthema.

Ja,was macht mich glücklich? In erster Linie mein Mann, die Familie und Freunde, wenn es allen gut geht. Danach sofort, Neues zu entdecken, auszuprobieren, zu experimentieren. Ein gutes Buch hinterlässt bei mir immer einen Moment tiefer Zufriedenheit. Langsam reisen macht mich auch glücklich (mit der Bahn, auf Schusters Rappen), die beiden Kater. In letzter Zeit habe ich entdeckt, wie frei und zufrieden es mich macht, hin und wieder in der Erde zu wühlen. Seit ich ein Nähcafé mit initiiert habe, durfte ich auch das Wohlgefühl gemeinsamen Handwerkens erleben, was mich selbst sehr überrascht hat. Um einen Tisch sitzen, reden, dabei etwas sticken, stopfen, nähen (was auch immer) habe ich als unerwartet bereichernd erfahren.

Immer wieder darf ich die verschiedenen Menschen treffen und etwas begleiten, die mich wegen einer Auszeit kontaktieren. Das ist großartig für mich, weil ich Geschichten liebe, gerne recherchiere und so selbst Teil jedes individuellen Erneuerungsprozesses bin (oder wie auch immer man es nennen mag).

Das liest sich jetzt irgendwie esoterisch, weil es lange noch nicht alle Seiten und Aspekte berücksichtigt. Ich liebte es, im Studium eine Bilanz zu erstellen, T-Konten zu führen und am Ende auf beiden Seiten das gleiche Ergebnis zu bekommen. Yeah! Habe ich sehr lange nicht mehr gemacht.

Aufwachen, und das Wasser rauschen zu hören (der Mann in der Dusche oder das Meer- egal). Muster und Farben. Mit guten Freunden einen Heben. Frische Luft. Ich habe das Gefühl, in den letzten 1-2 Jahren näher an mir selbst zu leben. Vielleicht es das, womit ich es zusammen fassen kann.